Wir sind noch immer ganz überwältigt! 334 Frauen aus sieben Ländern (Ukraine, Polen, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Frankreich und Deutschland) trafen sich vom 15. bis zum 17. September zur Internationalen District Conference 2017 in Berlin. Mit dieser Teilnehmerinnenzahl übertrafen wir bei Weitem alle bisherigen Konferenzen. Berlin bleibt ein Magnet!

Der District 27, mit mehr als 1.800 Mitgliedern, ist Teil des weltweit hochengagierten Frauennetzwerkes ZONTA INTERNATIONAL.

Einen schönen Auftakt hatte unsere Konferenz in der Humboldtbox, Unter den Linden. Ein wunderbarer Abend zum Austauschen und Kennenlernen mit einem fantastischen Blick über die Stadt.

Die Konferenz war geprägt von interessanten Gesprächen, Diskussionen, Vorträgen und natürlich auch von Fröhlichkeit.
Unsere Eröffnungsfeier bereicherte Frau Dr. Stevie Meriel Schmiedel von der Organisation Pink Stinks. Voller Elan und berichtete sie über die spannende Frage: sexy oder sexistisch?

Es wurde nicht nur gefeiert, sondern auch lange getagt, abgestimmt, debattiert und gewählt.
Im Turnus von zwei Jahren wird ein neuer Vorstand gewählt und wir freuen uns sehr, dass unsere
neue District Governor, Régine Deguelle, aus Berlin kommt und Mitglied im Club Berlin 1989 ist.
Im kommenden Jahr wird sie unsere amtierende Governor Griet De Prycker ablösen.

Einer der Höhepunkte war das Eintreffen der Radfahrerinnen für die Aktion „Zonta on Tour“. Über 40 Zontians starteten in Belgien mit dem Fahrrad. Ziel war es nicht nur Berlin zu erreichen, sondern auch eine hohe Spendensumme einzusammeln, die unserem Einsatz „Gewalt gegen Frauen“ zugutekommen wird. Mit Vorfreude warteten wir im Zielbereich Anhalter Bahnhof auf zwischenzeitlich über 100 Radlerinnen. Sie wurden mit einem orangen Meer aus Luftballons und T-Shirts begrüßt. Untermalt wurde das Eintreffen von rhythmischen Sambatrommlern. Welch eine gelungene Aktion, denn es wurden knapp 7.000 € auf der Tour gespendet.

Wir begrüßten auch zwei junge Preisträgerinnen, die sich gegenüber vielen Bewerberinnen weltweit durchgesetzt hatten. Unsere international ausgeschriebenen Awards für Jane Klausmann und Young Woman in Public Affairs gewannen diesmal Aleksandra Pedraszewska aus Polen für JMK und Clémentine Rixhon aus Luxemburg für YWPA.

Am Sonntag fuhren die Teilnehmerinnen zufrieden wieder in ihre Heimatländer. Nun blicken wir auf die Stadt Dijon, die die nächste Konferenz ausrichten wird.

Viele Bilder der Konferenz finden Sie auf unserer Facebookseite unter https://www.facebook.com/zontaberlinmitte/?ref=aymt_homepage_panel

Am 14. November durften wir die ehemalige Präsidentin des Kammergerichts, Monika Nöhre, bei uns begrüßen. Sie war zunächst als Rechtsanwältin, als Richterin in Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg und zuletzt als Vizepräsidentin am Hanseatischen Oberlandesgericht tätig, bis sie im Jahr 2002 durch das Berliner Abgeordnetenhaus zur Präsidentin des Kammergerichts gewählt wurde.

Ihre Wahl wurde auch im Hinblick auf ihre hohe Kompetenz und ihren Beitrag beim Erfolge der Justizreform in Hamburg in der Berliner Presse als ein „Glücksfall“ für Berlin erklärt.

Frau Nöhre hat in ihrer 13jährigen Amtszeit bis 2015 auch zu einem hohen Ansehen des Kammergerichts, sowohl national als auch international, u.a. durch die Gründung des Vereins „Forum Recht und Kultur im Kammergericht e.V.“, der z. B. mit der Gedenkstätte des Deutschen Widerstands und Yad Vashem kooperiert, beigetragen.

Frau Nöhre berichtete eindrucksvoll über den sehr „steinigen“ Weg, für gleichermaßen gut ausgebildete Frauen in dem (noch im Jahr 1982 von einem Richter als „letzten Herrenberuf“ bezeichneten) Richterberuf zugelassen zu werden. So gab es erst 1924 die erste Richterin im damaligen Preußen. Ab 1933 wurden generell nur Männer zu Richtern ernannt, Hintergrund war eine vorgeschriebene paramilitärische Ausbildung bei Jüterbog, wo nur Männer zugelassen wurden. Nach 1945 war auch Frauen das Jurastudium möglich, wobei noch 1960 von den Studenten erst 2,6 % Frauen waren. Bundesweit sind es aktuell ca. 42 %, in Berlin ca. 51,6 %.

Aber noch immer haben es Frauen, trotz vieler gesetzlicher Errungenschaften, wie Teilzeitarbeit, Elternzeit oder Frauenbeauftragte bei der beruflichen Beförderung ungleich schwerer. Von den 24 Oberlandesgerichten werden derzeit lediglich sieben durch Frauen als Präsidenten vertreten.

Frau Nöhre hat in ihrer beruflichen Laufbahn zu Verhinderung rein männlicher Beförderungen immer auf weibliche Netzwerke und weibliche Zweckbündnisse gesetzt. Sehr persönlich und mit Humor berichtete sie über die gesellschaftliche Herausforderung  einer Kammergerichtspräsidentin bei größeren Empfängen.

Nach ihrer Pensionierung 2015 ist Frau Nöhre weiterhin aktiv in der Berliner Justiz tätig. Sie leitet die Schlichtungsstelle der Berliner Anwaltskammer und arbeitet an ihrem Lehrauftrag „Praxis des Gerichtsverfahrens“ an der Humboldt-Universität.

Wir danken Frau Nöhre herzlich für ihren spannenden Vortrag, die Einblicke und die Diskussion. 

Unser allherbstliches Jour Fixe durften wir in diesem Jahr in der „Gelben Villa“ in Berlin-Kreuzberg begehen, einem Kreativ- und Bildungszentrum für Kinder und Jugendliche. Monika Ruth, Sponsoringbeauftragte der Gelben Villa, führte uns durch das beeindruckende, vielfältige Haus und erläuterte uns das Konzept, das Kindern kreative Erfahrungsräume und vielseitige Projektangebote bieten soll. Neben einer Holzwerkstatt, einem Tanz- und Sportraum und einem Modeatelier gibt es hier auch Proberäume für Bands, die gemietet werden können. Pro Jahr besuchen ca. 25.000 Kinder das Zentrum, das vor allem auch die Integration und die Chancengleichheit aller Kinder zum Ziel hat.

Wir danken Frau Ruth sehr herzlich für die interessante Führung und Gastfreundschaft.

Weitere Fotos unseres Besuches in der Gelben Villa finden Sie auf unserer Facebook-Seite.

Eine ganz besondere Führung über das Gelände der Gedenkstätte der Berliner Mauer durften wir am 12. September erleben. Dr. Günter Schlusche, Projektleiter für die Erweiterung der Gedenkstätte Berliner Mauer, führte uns zwei Stunden am ehemaligen Grenzstreifen in Berlin-Mitte entlang. Zu unserem Thema "Erinnern, Gedenken, Lebendighalten - Was ist Erinnerungskultur und wie lässt sie sich im Stadtbild gestalten?" schilderte er anschaulich, welche Gedanken und Vorstellungen dazu führten, dass die Gedenkstäte so aussieht wie sie sich uns heute darstellt. Wichtig war vor allem, dass sowohl die Westansicht der Mauer als auch die Ostansicht des Todesstreifens deutlich wird, also beide Blicke nachvollzogen werden können. Zudem sollte es auch ein Ort des Verweilens und nicht nur des Betroffenseins und der Trauer sein. Es sollte, wie es auch gelungen ist, gelebte Erinnerung werden. Viele Leute halten sich im Sommer auf der Wiese der Gedenkstätte auf, Millionen von Touristen haben das Denkmal bereits besucht. Es gehört zu der Erfolgsgeschichte eines Denkmals, dass es uns erinnert und dass es gleichzeitig gelebter Stadtraum ist.

Auf dem Gelände gibt es zudem eine Gedenktafel mit Fotos aller 136 an der Mauer verstorbener Menschen. Insgesamt sind nach 1961 noch ca. 250 000 Leute aus dem Osten in den Westen geflohen, es gab ca. 60 geheime Tunnel zwischen Ost und West.

Auch wenn den meisten von uns die Mauer im zweigeteilten Berlin noch präsent ist, gehört sie doch inzwischen zur Geschichte, die für die jungen Menschen in Deutschland längst vergangen und nicht mehr vorstellbar ist. Deshalb sind Gedenkstätten dieser Art, vor allem wenn sie so gelungen sind wie diese, unverzichtbar.  

Der Abend klingt mit einem geselligen Zusammensein im Restaurant Oderquelle aus. Unser herzlicher Dank gilt Herrn Dr. Schlusche für die eindrucksvolle Führung.

Eine Bildergalerie  mit vielen Fotos unseres "Grenzgangs" finden Sie auf unserer Facebook-Seite

Sawade ist die älteste Pralinen- und Trüffelmanufaktur Berlins. Bereits 1880 wurde sie von einem passionierten Chocolatier im Herzen Berlins unter der legendären Adresse „Unter den Linden“ gegründet. Die Pralinen schmeckten so lecker, dass Sawade schnell zum „Königlichen Hoflieferanten“ avancierte. Seit über 135 Jahren stellt Sawade feinste Pralinen, Trüffel und Schokoladenspezialitäten her. Noch heute werden über 400 verschiedene köstliche Spezialitäten in 29 Verpackungsarten in Berlin Reinickendorf produziert. Im Dezember 2013 übernahmen Benno & Melanie Hübel den traditionsreichen Betrieb. Gemeinsam mit 60 Mitarbeitern wird mit viel Liebe zum Handwerk, großem Engagement und Ausdauer daran gearbeitet, den historischen Betrieb wieder einer breiteren Öffentlichkeit bekannt und die Praline wieder salonfähig zu machen. Denn Pralinen und Trüffel von Sawade stehen seit jeher für höchste Qualitätsansprüche an Zutaten und Verarbeitung.
Melanie Hübel schilderte uns an diesem Abend, wie sie und ihr Mann von der Insolvenz von Sawade 2013 im Radio erfuhren. Unter 30 Bewerbern haben sie den Zuschlag für das Unternehmen erhalten, wahrscheinlich weil sie die Tradition fortführen wollten und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im ersten Schritt übernommen haben. Detailliert und interessant zeigte sie uns, wie sie den Neubeginn der Firma bei gleichzeitiger Beibehaltung der ursprünglichen Ausrichtung des Unternehmens - höchste Qualität und alte Handwerkskunst - angestoßen haben. Zwei wesentliche Änderungen waren, Effektivität in die Organisationsabläufe einzuziehen und die Marke optisch aufzumöbeln. Beides ist mit viel Behutsamkeit und Durchsetzungsfähigkeit gelungen. Die Produkte wurden weitgehend so belassen, wie es sie seit über 100 Jahren gibt. So wurden zum Beispiel die legendären „gelöffelten Zarenhappen“ beibehalten. Bereits jetzt schreibt Sawade schwarze Zahlen. Aktuell wird ein repräsentatives Geschäft in den Hackeschen Höfen vorbereitet. In Berlin gibt es weitere drei Läden. Der Name soll im Übrigen von der Nachbarin des Firmengründers, einer Madam Marie de Savadé stammen, zu der er ein besonderes Verhältnis pflegte…. Ein gelungenes Beispiel einer Firmenübernahme bei Beibehaltung der Produkte und der Produktion in Deutschland! Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für das süße Andenken von Sawade!